Dietmar und meine Bauchfalte

Vor einigen Wochen fragte mich Gela Löhr, ob ich denn in diesem Jahr auch wieder Teil der Blogparade bei Lemondays sein möchte. Thema: BYE, BYE TRAUMFIGUR? WIE GEHT DAS MIT DEM WOHLFÜHLGEWICHT AB 40? ODER 50?“

Und hey, mit 52 Jahren, drei Kindern, seit drei Jahren im Dauergewichtsgefecht mit meiner Waage und seit zwei Wochen mittendrin in meiner ganz persönlichen Schwitzhütte, hatte ich dazu ganz sicher das eine oder andere mitzuteilen.

NATÜRLICH sagte ich zu – ich naives, unwissendes, dummes Ding!!

Denn ich ahnte nicht, was auf mich zukommen sollte. Plötzlich war mein Fokus dauernd genau auf diesem Aspekt der Wechseljahre! Traumfigur, Wohlfühlgewicht, Stau am mittleren Ring.

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Kennst du das? Du willst dir ein bestimmtes Auto zulegen und auf einmal fahren die anscheinend an jeder Straßenecke rum?
So ging es mir: Andauernd schielte ich auf andere Frauen respektive ihre Figur (jetzt wo ich schreibe, heizt mein Körper gerade mal wieder volle Kanne auf), und ich fing an zu beobachten: Vor allem meinen Partner!

Findet er die jungen, schlanken Mädels attraktiver als mich (auf gut Deutsch: Schaut er ihnen hinterher?)

Findet er mich „plötzlich“ zu dick, unförmig, unattraktiv?

 

Und dann passierte es:

Als wir ins Bett gingen und unsere Kuschel-Grundhaltung einnahmen, griff er mitten rein in meine neue Problemzone – meine durch drei Kinder, diverse Gläser Rotwein, unachtsam gegessene Kuchenstücke im Laufe der Jahre geformte Bauchfalte (was für ein hässliches Wort!).

Und dann passierte noch etwas: Nämlich gar nichts!

Er schrie nicht entsetzt auf, sprang aus dem Bett und packte seine Siebensachen.

Er kuschelte sich an mich, glücklich seufzend und zufrieden darüber, dass ich da war.

 

Was ging da also wirklich vor sich?

Dr. Heike Specht und ihr Adalbert beschreiben in ihrem Artikel sehr schön diesen Mindfuck, der uns ständig unsere vermeintliche Unvollkommenheit und Unfähigkeit vor Augen zu führen versucht.
Denn nichts anderes ist es doch: Ich höre diesem Affen in meinem Kopf zu und erlaube ihm, mich verrückt zu machen. Alles natürlich ganz heimlich, still und leise – nur in unserem Kopf.

Wenn, ja wenn wir nur endlich noch eine neue Diät ausprobieren und dieses Mal auch durchhalten würden…

Wenn, ja wenn wir doch endlich regelmäßig zum Sport gehen würden und nochmal so richtig durchstarten würden…

Wenn, ja, wenn….

Es ist uns so wichtig, dass unser Partner uns attraktiv findet, denn damit meinen wir ja, ihn halten zu können – erzählen uns zumindest die Adalberts und andere Affen in unseren Köpfen. Aber ist das wirklich alles? Frei nach dem Motto: Trainiere dich auf Heidi Klum-Level und schon ist alles in Butter?

 

„Wir müssen reden!“ war also mal wieder dran! Ich fragte Dietmar, wie es ihm denn mit meiner Figur und meinen Pölsterchen so geht.

Und seine Antwort war ziemlich klar und eindeutig:

Warum sollte ich diesen Teil von dir nicht mögen, wenn ich doch alles andere so sehr liebe?
Und wenn ich ein Problem mit deinem Gewicht hätte, müsste ich mich wohl auch mal mit meinem eigenen beschäftigen.

Kurz gesagt: Ich liebe doch das Gesamtpaket! Punkt. (seine ausführliche Antwort kannst du in unserem Podcast hören. Ich werde sie mir wohl als Dauerschleife auf mein Handy laden – für den Fall, dass ich mal wieder mit meinem Bauch in einer zu engen Hose steckenbleibe 😉 ).

 

Bauch-Weg-Höschen?

Spannend auch ganz nebenbei, dass er sich als Mann mit seiner eigenen Figur ja auch immer mal wieder in Frage stellt. Aber Männer gehen anders mit diesem Thema um. Sie würden nie – ich betone, NIEMALS!! – ein Bauch-Weg-Höschen tragen!!

Deshalb hier ganz am Rande mein Appell an euch Königinnen da draußen:

MÜSSEN denn diese modernen Zwangsjacken sein? ist es wirklich nötig, diese Teile zu tragen, in denen man nicht richtig sitzen und atmen kann?

Spätestens im heimischen Schlafzimmer bahnt sich doch die Wahrheit ihren Weg unter die Bettdecke!

Müssen wir Frauen wirklich verstecken, was unser Körper schon alles erlebt hat?

Feiert euch und euren Körper doch bitte für all die Leistungen, die ihr gemeinsam bis hierher erbracht habt!

Wir sind wunderschöne Wesen!

Als kleine Mädchen, als junge Frauen, wenn wir hochschwanger durch die Gegend watscheln und auch als reife, weise Frau. Als Königin eben!

Nives Gobo beschreibt das in ihrem Artikel „Ich liebe meinen Körper“ in der Blogparade wunderschön. Wir bekämpfen unsere Körper, statt sie zu lieben, zu achten und zu ehren. Wo ist da der Sinn?

 

Wechseljahre als Geschenk für die Beziehung

Einer meiner Leitsprüche ist: „Es ist nie zu spät für eine glückliche Beziehung.“

Es ist wirklich nie zu spät. Wenn wir beide wollen.

Und all die Veränderungen, die die Menopause mit sich bringt – inklusive etwas mehr Fülle hier und da – dürfen ein Geschenk für eine Beziehung sein.

Es darf weicher und runder werden – nicht nur der Körper, sondern auch das Miteinander.

Wenn wir reden – immer und immer wieder – dürfen wir diese Phase in unserem Leben mal wieder als Veränderung begrüßen. Auch als Veränderung in unserer Partnerschaft.

Wir dürfen uns gegenseitig wieder neu entdecken, neu kennenlernen.

Was für ein Geschenk ist das denn bitte?

Ich habe da keinen langweiligen Menschen neben mir, der immer so ist, wie er immer schon war und der immer so bleiben wird, wie er gestern noch gewesen ist.

Ich darf jeden Tag etwas Neues entdecken.

Wenn ich das begrüßen kann, von Herzen willkommen heißen – dann darf das eine ganz spannende Reise werden.

Ja – ein bisschen ist damit natürlich auch Abschied verbunden.

Ich als Frau verabschiede mich von einer Lebensphase. Aber ich begrüße doch auch eine neue! Ich bin doch jetzt nicht schon scheintot und nur zu faul zum Umfallen.

Es kommt doch etwas völlig Neues!

Jetzt ist nochmal „Von der Raupe zum Schmetterling“ angesagt, für mich ein bisschen „von der Prinzessin zur Königin“.

Und natürlich habe ich auch ein bisschen Angst:

  • Angst davor, dass ich jetzt „alt“ bin.
    …stehen die Gesundheitsschuhe und der Rollator schon in der Ecke?
  • Angst davor, dass ich jetzt keine Lust mehr auf Sex habe
    …Wessen Idee war DAS denn bitte? Wird meine Libido plötzlich einfach, ohne mich zu fragen, abgeschaltet?
  • Angst davor, dass ich nicht mehr schlafen kann.
    …obwohl – diese Angst habe ich ganz persönlich als geübtes Murmeltier nicht.
  • Angst davor, dass ich nur noch miesgelaunt durch die Welt laufe.
    …kenn‘ ich ja schon aus den Tagen vor den Tagen.
  • Und und und…

 

Zeit für einen Beziehungscheck

  • Die Wechseljahre sind ein super Zeitpunkt, sich auch darüber zu unterhalten.
  • Was haben wir bisher miteinander erlebt und wie war das eigentlich?
  • Gibt’s da noch irgendwelche Baustellen, die noch nicht aufgeräumt wurden?
  • Wo stehen wir jetzt gerade in unserer Beziehung und wo wollen wir noch hin?

 

Reden! Reden! Reden!

Darüber zu reden, ist für mich ein wertvoller Schlüssel zum Glück. Und miteinander reden will gelernt und geübt sein.

Ich erzähle das alles meinem Partner, ohne dass er die Hände über dem Kopf zusammenschlägt und fluchtartig den Raum respektive die Beziehung verlässt.

  • Er kann anerkennen, dass mich all das Unbekannte auch beunruhigt.
  • Er hört mir und meinen Ängsten und Sorgen mit offenem Herzen zu.
  • Er begrüßt die Königin, die da jetzt einzieht.
  • Er erzählt mir, was in seinem Kopf für Gedanken, Sorgen oder Ängste aufploppen.
  • Er ist einfach nur da und fächelt mir Luft zu, wenn’s mal wieder zu heiß wird.

Miteinander darüber zu reden, was sich verändert, wie sich beide fühlen, was uns Angst macht und auch, worauf wir uns freuen, öffnet ein völlig neues Level in der Beziehung – mit oder ohne Bauchfalte!

 

Alle(s) Liebe für Dich, Andrea

 

P.S.: Auch, wenn ich in meinem Artikel von einem männlichen Partner schreibe, dürfen sich bitte auch alle gleichgeschlechtlichen Beziehungen angesprochen fühlen! Auch, wenn ich glaube, dass in Frauenbeziehungen das Thema Gewicht nochmal etwas anders angegangen wird. Hier freue ich mich auf dein Feedback dazu.

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4 Kommentare
  • Angelika Erz
    Gepostet um 08:10h, 09 Oktober Antworten

    Toller Artikel, liebe Andrea! Herzlichen Dank dafür. Reden und zuhören ist tatsächlich ein wichtiger Schlüssel für’s Beziehungsglück 🙂
    Liebe Grüße,
    Angelika

    • Andrea & Dietmar
      Gepostet um 15:14h, 11 Oktober Antworten

      Danke liebe Angelika!

      Für uns ist das Reden wie unsere eigene Therapie.
      Und wenn das Gegenüber mit offenem Herzen zuhören kann, darf es leicht werden.

      Alle(s) Liebe für dich,

      Andrea

  • Silke Steigerwald
    Gepostet um 08:21h, 11 Oktober Antworten

    Hei ihr beiden,
    Warum sollte ich diesen Teil von dir nicht mögen, wenn ich doch alles andere so sehr liebe? DAS war der Schlüsselsatz …oder sollte ich sagen Schlüssel-Schatz? Herzlichen Dank für diesen wundervollen Beitrag (den übrigens auch mein Mann gelesen hat, mit dem Kommentar „Siehste, nicht alle Männer ticken so, wie du denkst, da ist noch so einer wie ich, der das GANZE sieht.)

    Klasse und herzliche Grüße
    Silke

    • Andrea & Dietmar
      Gepostet um 15:12h, 11 Oktober Antworten

      Liebe Silke,

      wie schön ist denn das?
      Danke von Herzen für deine Nachricht!
      Ja, es gibt ganz sicher „mehr von denen“, die das Ganze sehen und lieben.
      Es sind nur unsere inneren Kritiker, die uns davon abhalten, das auch glauben zu können.
      Eine wunderschöne Zeit euch beiden und alle(s) Liebe für euch,

      Andrea & Dietmar

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